1 : 33.100.000 – Eine stille Bitte um Aufmerksamkeit
Systemanalyse · Tierschutzrecht · Deutschland

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Eine stille Bitte um Aufmerksamkeit – an alle, die es gut meinen mit dem Tierschutz.


Verhältnis behördlicher Aufmerksamkeit · Deutschland 2026
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Auf eine Gruppe von ca. 100–300 kontrollierten Zuchthunden entfallen zwei Gerichtsinstanzen und 40.000 Euro Streitwert. Auf 331 Millionen Nutztiere mit nachgewiesenem Leid entfallen keine Statistiken, keine Kontrollen, keine Verfahren.

Ich schreibe diesen Text nicht in Wut. Ich schreibe ihn, weil ich glaube, dass wir alle – Tierschützer, Züchter, Behörden, Wissenschaftler – dasselbe wollen: dass es Tieren besser geht. Und weil ich meine, dass ein ehrlicher Blick auf die Zahlen dabei helfen könnte, gemeinsam die richtigen Fragen zu stellen.

Was ich Ihnen zeigen möchte, ist eine Disproportion. Keine Anklage. Eine Disproportion.

Bereich Betroffene Tiere Behördenreaktion
Nutztierhaltung 331.000.000 / Jahr Keine Statistik. Keine Verfahren.
VDH-Ausstellungshunde ca. 30.000 AGT-Leitlinien. Mehrere Großveranstaltungen abgesagt.
Urtümliche Rassen (CER) ca. 100–300 2 Gerichtsinstanzen. 40.000 € Streitwert.

„Wie kann es sein, dass eine winzige Gruppe ehrenamtlicher Züchter gerichtlich verfolgt wird – während 331 Millionen Nutztiere mit nachgewiesenem Leid ohne Statistik, ohne Kontrollen und ohne Konsequenzen bleiben?"

Das ist keine rhetorische Frage. Es ist eine strukturelle. Denn was wir gerade erleben, ist das Ergebnis einer juristischen Transformation, die sich über 25 Jahre still vollzogen hat.

2000
Hamburg. Nach einem Beißvorfall erlassen 16 Bundesländer verschärfte Hundegesetze. Zweck: Gefahrenabwehr.
2002
Tierschutz wird Staatsziel (Art. 20a GG). Die alten Kontrollmechanismen bleiben.
2010–2020
Stillschweigend werden Instrumente der Gefahrenabwehr auf den Tierschutz übertragen.
2024–2026
AGT-Leitlinien werden faktische Rechtsgrundlage. Züchter werden mit den Mitteln für Gefahrenabwehr belegt.

Der aktuelle administrative Druck ist dabei kein Zufall. Er markiert den Höhepunkt einer Auseinandersetzung zwischen evidenzbasierter kynologischer Forschung und einer zunehmend administrativ regulierenden Veterinärpolitik. Als die FCI ihre Kampagne "Imagine Life Without Them" startete und die TGH ihre evidenzbasierten Leitlinien vorlegte, antwortete die regulatorische Seite nicht mit einem wissenschaftlichen Diskurs auf Augenhöhe. Stattdessen folgten die Absagen wichtiger Zuchtschauen und ein offener Brief von 11 Fachtierärzten, der die Schärfe der Fronten unterstreicht. Es geht nicht mehr um den Hund – es geht um die Deutungshoheit darüber, was Wissenschaft in diesem Land sein darf.

Ich halte weder den Tierschutz für den Feind noch die Kynologie für makellos. Beides ist menschlich, beides ist fehlbar, beides braucht Korrektiv und Dialog.

Ich möchte nur, dass wir alle kurz hinschauen. Auf die Zahlen. Auf das Verhältnis. Auf die Frage, ob die Aufmerksamkeit dort landet, wo das Leid am größten ist.

Quellen & Kontext
  1. Statistisches Bundesamt: Schlachtzahlen Deutschland 2024 (742,5 Mio. geschlachtete Tiere)
  2. VDH-Welpenstatistik 2024: 113.702 Welpen; 7,21 % der Hundepopulation VDH/FCI-registriert
  3. Kampagne: FCI - Imagine Life Without Them
  4. Taskforce Gesunde Hundezucht (TGH) - Evidenzbasierte Leitlinien
  5. Offener Brief der 11 Fachtierärzte (01.07.2026)
  6. LG Hamburg 324 O 651/25: CER vs. QUEN – CER gewinnt in erster Instanz
  7. OLG Hamburg 7 W 15/26: Berufungsverfahren, Streitwert 40.000 €
  8. AGT-Leitlinien: Nicht-öffentliche Verwaltungsvorschriften der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz
Nicole Haberer-Didrichs
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