Eine stille Bitte um Aufmerksamkeit – an alle, die es gut meinen mit dem Tierschutz.
Auf eine Gruppe von ca. 100–300 kontrollierten Zuchthunden entfallen zwei Gerichtsinstanzen und 40.000 Euro Streitwert. Auf 331 Millionen Nutztiere mit nachgewiesenem Leid entfallen keine Statistiken, keine Kontrollen, keine Verfahren.
Ich schreibe diesen Text nicht in Wut. Ich schreibe ihn, weil ich glaube, dass wir alle – Tierschützer, Züchter, Behörden, Wissenschaftler – dasselbe wollen: dass es Tieren besser geht. Und weil ich meine, dass ein ehrlicher Blick auf die Zahlen dabei helfen könnte, gemeinsam die richtigen Fragen zu stellen.
Was ich Ihnen zeigen möchte, ist eine Disproportion. Keine Anklage. Eine Disproportion.
„Wie kann es sein, dass eine winzige Gruppe ehrenamtlicher Züchter gerichtlich verfolgt wird – während 331 Millionen Nutztiere mit nachgewiesenem Leid ohne Statistik, ohne Kontrollen und ohne Konsequenzen bleiben?"
Das ist keine rhetorische Frage. Es ist eine strukturelle. Denn was wir gerade erleben, ist das Ergebnis einer juristischen Transformation, die sich über 25 Jahre still vollzogen hat.
Der aktuelle administrative Druck ist dabei kein Zufall. Er markiert den Höhepunkt einer Auseinandersetzung zwischen evidenzbasierter kynologischer Forschung und einer zunehmend administrativ regulierenden Veterinärpolitik. Als die FCI ihre Kampagne "Imagine Life Without Them" startete und die TGH ihre evidenzbasierten Leitlinien vorlegte, antwortete die regulatorische Seite nicht mit einem wissenschaftlichen Diskurs auf Augenhöhe. Stattdessen folgten die Absagen wichtiger Zuchtschauen und ein offener Brief von 11 Fachtierärzten, der die Schärfe der Fronten unterstreicht. Es geht nicht mehr um den Hund – es geht um die Deutungshoheit darüber, was Wissenschaft in diesem Land sein darf.
Ich halte weder den Tierschutz für den Feind noch die Kynologie für makellos. Beides ist menschlich, beides ist fehlbar, beides braucht Korrektiv und Dialog.
Ich möchte nur, dass wir alle kurz hinschauen. Auf die Zahlen. Auf das Verhältnis. Auf die Frage, ob die Aufmerksamkeit dort landet, wo das Leid am größten ist.